Tag 30: Outlaws for life, fellas

Goldgräberstimmung. 2002.

Giulia ploppt den Deckel ihrer Flasche zuerst auf, während ich mir den ersten Matsch vom Schuh kratze. Wir sind diese Gören, freie Gören voller Tatendrang, gerade die Zwanziger überschritten und immer schön am Rand der Selbstzerstörung entlang. Wir stoßen mit den Typen vom Nachbarzelt an und begeben uns auf den Weg zum Grundpegel des Wochenendes.

Die Welt hier auf dem Feld ist anarchisch entspannt. Es spielen Menschen Tischtennis auf einem mitgebrachten Klapptisch, andere drehen Joints, bauen Zelte oder Pavillons auf. Einer ist nackt. Irgendwo in der Nähe mixt ein Typ Beats von Gang Starr mit Vocals von Luckie D. Ich bin fest davon überzeugt, dass die guten Momente wieder Überhand nehmen und die traurigen der letzten beiden Jahre überflügeln. Heute jedenfalls ist das Wohlfühlklima hergestellt und die jugendliche Euphorie, endlich mit eigener Kunst ein paar Geldstücke zu verdienen und durch eigener Hände Arbeit in der Medienbranche Fuß gefasst zu haben,fühlt sich täglich wie ein Triumph an. Wenn du alle Nase lang SMS von Menschen bekommst, die du nicht kennst und du in Städten unterwegs bist, die du allenfalls mal in Fernsehbildern gesehen hast und sogar fürs Betrinken bezahlt wirst, glaubst du schnell, es geht immer so weiter.

Tag 27: Freiraum-Manager

Der Zweck der Übung war ja, mich selbst vom Socialmedia zu trennen und nach Ablauf der Zeit wieder zum Tagesgeschäft zurückzukehren. Ist aber mittlerweile eher eine Befreiung statt Trennung. Und gerade wo sich diese Befreiung richtig anfühlt rase ich über eine der wichtigsten deutschen Autobahnen (ihre Nummer besteht nur aus einer Ziffer, das impliziert doch die Wichtigkeit, oder) und denke über das vor einigen Minuten belauschte Gespräch nach.

Einer der Beteiligten betitelte sich selbst als Freiraum-Manager und das fand ich spannend. Gut formuliert hat er es, was er macht hat aber eigentlich einen anderen Name. Der Mann ist Chef einer Alibiagentur.

Sollte euch mal der Drang danach stehen, übers Wochenende nicht zum Fernbeziehungspartner zu wollen, gibt’s Lösungen. Durchzuführende Konstellationen, bei denen es normalerweise einen räumlichen Abstand zwischen den Akteuren gibt, der im Falle der Situationsdurchführung genullt wird, sind die leichtesten Fälle. Ein Alibi in Form von schriftlich angeordneten Überstunden am Wochenende oder ein geschäftlicher Termin in einem anderen Teil des Landes ist leicht zu faken.

Zur Umsetzung glaubwürdigster Ausreden stehen deutschlandweit neben etwa 1000 freien Mitarbeitern auch jede Menge Unternehmen zur Verfügung, die mit flexibelsten Namen und Briefköpfen alles behaupten, dass dir Freiraum und Freizeit verschafft. Spannende Unterhaltung und ein so schönes Beispiel unserer Welt und derer Luxusprobleme.

In vier Stunden ist das Jahr zu Ende und mir bleibt nur, euch lieben Lesern, einen stressfreien Start in 2019 zu wünschen. Mögen die erlebten Höhepunkte des vergangenen Jahres im folgenden wie Kleinigkeiten wirken und getoppt werden.

Ach ja, Zugezogene Leute in München möchten sich als Münchner fühlen. Zugezogene Hamburger würden sich gern als Hamburger fühlen. Zugezogene in Berlin stattdessen, möchten sich die Stadt untertan machen.

Diktierte es ins Smartphone. Kommt gut rüber!

Tag 8: Jedes Herz ist eine revolutionäre Zelle

11.12.2018 00:50 Uhr

Es ist kalt draußen und immer wenn es kalt draußen ist, will ich über irgendwas mit Sommer erzählen. Einmal hat mich am “Open Flair”-Festival unser mitgereister Hund in den Daumen gebissen und ich konnte deswegen nicht Helge Schneider gucken. Danke an die großartige Arbeit des Deutschen Rotes Kreuz.

Fuß raus aus dem Bully und direkt von Fury In The Slaughterhouse, absolut unterbewertete, ungeniert englischsprachige Deutschrockband, begrüßt. Wir sind in Eschwege/Hessen. Read More

Tag 7: Stefanie und die ultimative Hölle in Wortform

10.12.2018 00:50 Uhr

Stefanie ist quasi meine Betty Ford der Selbstmedikation. Ich überlegte vor Jahren, ob ihre Seite oder die der anderen die ist, auf die es sich zu stellen gehört. Wie ich es bereits am ersten Tag dieses Blogs schrieb, ist Kunst relativ. Wir sind die gleiche Generation und erleiden als ehrgeizige “Künstler”/”Autoren” die gleichen Höhen und Tiefen. Haben auch das gleiche dicke Fell und wenn wir uns nicht bemühen, beide einen total verrückten Dialekt.

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Tag 6: Über Rotwein, Abwrackprämie, Aldi, Sido, Thees Uhlmann und Bushido

09.12.2018 00:50 Uhr

Als ich gestern Abend gerade bei Aldi zur Tür rein war, habe ich einen Anruf von einer guten Freundin in Hamburg erhalten. Durchs Telefonieren war ich unmittelbar verloren, ohne Chance, die benötigten, hochwertigen Waren ins Tragekörbchen zu packen, weil die Einkaufsliste natürlich hypermodern im Smartphone steckt. Mööp. Und für diesen Umstand habe ich IHR berechtigterweise den schwarzen Peter hingeschoben. Und zwar in der Form, sie möge mir bitte für den Sonntag-Blog-Beitrag (dieser hier) eine Idee liefern.

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Tag 5: Nur so am Rand | Von Hip Hop und Geschäft, 1996 bis 2009.

08.12.2018 00:50 Uhr

Mit dem ersten Majordeal begann das Sterben. Der kurze Abriss über zehn Jahre Rapboard in Deutschland. 3455 Tage lang haben wir polarisiert und oft Prügel eingesteckt, in einer jungen, identitätsuchenden Szene. Viele von uns sind mit diesen Projekten gewachsen, viele Karrieren sind entstanden.

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Tag 4: Wie Romeo und Julia, aber akzeptiert verliebt

07.12.2018 00:50 Uhr

Der Rahmen des alten Gemäldes hat direkt nach den ersten Schritten in den Flur einen langen Kratzer an der frisch renovierten Wand hinterlassen. Das ist deswegen ärgerlich, weil wir zu diesem Zeitpunkt die Verantwortung für den Zustand der Räume bereits mit unserer Unterschrift besiegelt haben.

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Tag 3: 18.000 Mark

06.12.2018 00:50 Uhr

Schmatzend und etwas in sich gekehrt lungert die ruhige Stimme des Mittevierzigers immer noch in meinem Ohr. Dieser Mittevierziger, der uns im Büro bei einem großen Musikverlag gegenübersitzt und dessen Brötchengeber unter den geänderten Bedingungen der Märkte leidet.

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Tag 2: Nicht in Berlin zu sein, das ist eine Strafe

05.12.2018 00:50 Uhr

Automatisch vielfältig, nur weil die Quote der zugezogenen Stadtbewohner mittlerweile bei 53 % gastiert, wie RBB und das Statistikamt unlängst erhoben, sind die zufällig beobachteten Berliner nicht. Eine vierstellige Anzahl von Siedlungen, Dörfchen und Städten in der ganzer Welt ist Quelle dieser 1,9 Millionen Menschen, vielleicht liegt es an der Jahres- oder Tageszeit, am Ort, am Wochentag, aber ausnahmslos alle haben den gleichen starren, bloß-keine-Regung-zeigen-Blick … 

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Tag 1: Stefan-Wolf-Kunst-Kollektiv?

04.12.2018 00:50 Uhr

Kunst ist relativ, weshalb du auch alles heraufbeschwören und hin konzipieren kannst, was du willst und jeden schräg angucken darfst, der es kritisch bewertet. So wie früher® Doktor Sommer …

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Tag 0: Quatsch mit Soße

03.12.2018 00:49 Uhr

Alleine der Umstand, dass man sich überlegt, etwas sein zu lassen, verändert noch nichts. Es ist auch nicht innovativ oder gar konsequent, zu sagen, dass man auf digitale Zeitrauber verzichtet. Dieses Vorhaben hat …

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