Tag 27: Freiraum-Manager

Der Zweck der Übung war ja, mich selbst vom Socialmedia zu trennen und nach Ablauf der Zeit wieder zum Tagesgeschäft zurückzukehren. Ist aber mittlerweile eher eine Befreiung statt Trennung. Und gerade wo sich diese Befreiung richtig anfühlt rase ich über eine der wichtigsten deutschen Autobahnen (ihre Nummer besteht nur aus einer Ziffer, das impliziert doch die Wichtigkeit, oder) und denke über das vor einigen Minuten belauschte Gespräch nach.

Einer der Beteiligten betitelte sich selbst als Freiraum-Manager und das fand ich spannend. Gut formuliert hat er es, was er macht hat aber eigentlich einen anderen Name. Der Mann ist Chef einer Alibiagentur.

Sollte euch mal der Drang danach stehen, übers Wochenende nicht zum Fernbeziehungspartner zu wollen, gibt’s Lösungen. Durchzuführende Konstellationen, bei denen es normalerweise einen räumlichen Abstand zwischen den Akteuren gibt, der im Falle der Situationsdurchführung genullt wird, sind die leichtesten Fälle. Ein Alibi in Form von schriftlich angeordneten Überstunden am Wochenende oder ein geschäftlicher Termin in einem anderen Teil des Landes ist leicht zu faken.

Zur Umsetzung glaubwürdigster Ausreden stehen deutschlandweit neben etwa 1000 freien Mitarbeitern auch jede Menge Unternehmen zur Verfügung, die mit flexibelsten Namen und Briefköpfen alles behaupten, dass dir Freiraum und Freizeit verschafft. Spannende Unterhaltung und ein so schönes Beispiel unserer Welt und derer Luxusprobleme.

In vier Stunden ist das Jahr zu Ende und mir bleibt nur, euch lieben Lesern, einen stressfreien Start in 2019 zu wünschen. Mögen die erlebten Höhepunkte des vergangenen Jahres im folgenden wie Kleinigkeiten wirken und getoppt werden.

Ach ja, Zugezogene Leute in München möchten sich als Münchner fühlen. Zugezogene Hamburger würden sich gern als Hamburger fühlen. Zugezogene in Berlin stattdessen, möchten sich die Stadt untertan machen.

Diktierte es ins Smartphone. Kommt gut rüber!